Reyhan (17) ist in Wien aufgewachsen. Sie macht eine Lehre zur zahnärztlichen Assistentin. Zum Fußball ist sie durch die Schule gekommen. Reyhan macht viele Tore und auch einmal einen Kopfball. Sich selbst beschreibt sie als mutig, motiviert und freundlich.
Geburtsort
Wien
Ausbildung / Beruf
→ Lehre zur zahnärztlichen Assistentin
Zum ersten Mal Fußball gespielt habe ich in der dritten Klasse Mittelschule. Drei Monate lang haben wir im Sportunterricht einmal in der Woche ein Turnier gespielt. Mit den Jungs hat es mir nicht so viel Spaß gemacht, aber bei Kicken ohne Grenzen schon. Meine Freundin hat mich 2021 hierher mitgenommen. Sie hat später aufgehört, aber ich bin dabeigeblieben.
An meinem ersten Tag bei Kicken ohne Grenzen waren viele Mädchen da. Am Anfang habe ich mich nicht getraut zu reden, zu spielen oder den Ball zu passen. Aber dann habe ich mir gedacht, dass ich nicht schüchtern sein muss – einfach mitmachen, einfach mitspielen. Am Ende hatten wir alle einen tollen Tag, haben miteinander geredet, gelacht und hatten Spaß. Mit der Zeit habe ich Freunde gefunden. Aktuell schaffe ich es leider nicht mehr so oft zu Kicken ohne Grenzen, weil ich wegen der Arbeit und der Berufsschule wenig Zeit habe. Aber beim Girls Cup war ich dabei.
Das Gute an Kicken ohne Grenzen ist, dass man mutiger wird. Und man hat etwas zu tun. Davor bin ich nach Hause gekommen und habe gleich mit dem Handy gespielt.

Jetzt gehe ich mit meinen Freundinnen raus und spiele Fußball. Durch Kicken ohne Grenzen habe ich gelernt, offener zu sein. Ich bin eigentlich sehr schüchtern, aber jetzt nicht mehr so sehr.
Beim Fußballspielen will ich nicht nur Spaß haben, sondern auch erfolgreich sein. Ich bin Stürmerin. Dabei kommt es
darauf an, immer frei zu stehen, damit ich den Ball bekomme und Tore schießen kann. Ich muss konzentriert sein, ich muss laufen, ich muss aufmerksam sein. Vielleicht möchte ich mal professionelle Fußballspielerin werden. Nach meiner Lehre habe ich eventuell Zeit, bei einem anderen Verein zu spielen. Bevor wir in der Schule gespielt haben, habe ich Fußball nicht wirklich im Kopf gehabt.
Seit September 2022 mache ich eine Ausbildung zur zahnärztlichen Assistentin. Heuer werde ich mit der Lehre fertig. Manchmal komme ich nach der Arbeit sehr müde nach Hause, aber der Job gefällt mir. Ich muss viel erledigen, deshalb wird mir nicht langweilig. Sehr gerne mache ich Röntgen – das ist einfach. Ich mache Schienen, gieße Modelle aus und assistiere dem Zahnarzt.
Bei der Wurzelbehandlung assistiere ich gerne, weil das interessant ist. Wenn Patienten Angst haben, versuche ich sie zu beruhigen. Ich selbst gehe gern zum Zahnarzt. Ich war schon immer tapfer.
Mein Chef ist sehr nett und lustig. Ich kann mich nicht beschweren. Ich arbeite in Wien-Ottakring und wohne nur drei Stationen von meinem Arbeitsplatz entfernt. In die Berufsschule gehe ich im Burgenland. Da bin ich immer eine Woche lang, deswegen habe ich nicht so viel Zeit.
Ich habe den Job nicht bewusst ausgesucht, sondern mich einfach beworben – und dann haben die mich gut gefunden. Ich habe vier, fünf Monate gebraucht, um die Lehrstelle zu finden. Matura war für mich kein Thema. Ich wollte arbeiten.
Ich wohne mit meiner Familie zusammen, habe zwei Geschwister. Meine Eltern kommen ursprünglich aus der Türkei. Im Sommer bin ich immer in der Türkei. Aber ich spreche besser Deutsch als Türkisch.
Wo ich mich in zehn Jahren sehe? Gute Frage. Dann bin ich 27. Vielleicht habe ich eine eigene Wohnung, ein eigenes Auto. Vielleicht will ich einmal Zahnärztin werden oder Zahntechnikerin. Ich will mich jedenfalls weiterbilden. In zehn Jahren spiele ich noch immer Fußball, habe nicht aufgegeben. Vielleicht bin ich Profi geworden. Wer weiß?


Fotos: Karo Pernegger
Interviews: Birgit Riezinger
Diese Geschichten wurden im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums von Breaking Grounds protokolliert.