Mohammed (24) kommt aus einem Dorf nahe Aleppo. Mit 14 floh der Kurde nach Europa. Mohammed ist froh, dass er auf einem guten Weg ist. In zehn Jahren will er eine Firma haben, verheiratet sein und eine Wohnung oder ein Haus besitzen.
Geburtsort
Farwaniya / Kuwait
Ausbildung / Beruf
→ Kfz-Techniker
Ich mag das Schrauben, ich mag es, wenn meine Hände fettig und schmutzig sind. Dann weiß ich, dass ich etwas gearbeitet habe. Mein Name ist Mohammed, aber ich werde nach meinem Nachnamen Mkdad gerufen, weil es so viele Mohammeds gibt. Mein Beruf ist Kfz-Techniker. Das war schon als Kind mein Traumjob. Ich kann mir nicht vorstellen, einen anderen Job zu haben.
2018 habe ich in Vorarlberg meine Lehre begonnen. Während der Corona-Zeit bin ich nach Wien umgezogen. Nach einem Jahr habe ich eine Firma gefunden, wo ich meine Lehre fertigmachen konnte. Seit eineinhalb Jahren arbeite ich bei Porsche Donaustadt. Da passt es gut für mich.
Seit zehn Jahren bin ich in Österreich. Ich habe nicht viele Erinnerungen an die Zeit davor in Syrien, außer dass Krieg war und dass ich von dort wegmusste.
Ich bin Kurde. Das Leben für Kurden in Syrien war früher nicht einfach. Sie durften nicht ihre Meinung sagen, es war verboten, Kurdisch zu sprechen. Mit der Zeit wurden wir langsam akzeptiert. Wir haben für unsere Freiheit gekämpft.

Ich war 14, als mein Vater eines Tages zu meiner Mutter sagte: »Mohammed muss weg von hier, damit er eine Zukunft hat.« Wir waren neutral, wir wollten nicht in den Krieg, wir wollten keine Waffen. Aber wir wurden nicht in Ruhe gelassen. Am nächsten Tag bin ich los. Ich wusste nicht, was passiert. Ich wusste nichts über Österreich. Und jetzt bin ich hier. 25 Tage hat die Flucht gedauert.
Gemeinsam mit meinem jüngeren Cousin habe ich mich auf den Weg gemacht. Den Großteil sind wir zu Fuß gegangen. Es waren viele Leute gleichzeitig unterwegs und wir sind immer diesen Leuten nachgegangen. Von der Türkei nach Griechenland sind wir gemeinsam mit circa 50 Personen mit einem kleinen Boot gefahren.
Als wir die ungarisch-österreichische Grenze überquert haben, hat uns die Polizei erwischt und mitgenommen. Wir wussten nicht, was passieren würde. Die Leute aus der Gruppe haben gesagt: »Komm mit uns nach Deutschland.« Aber ich war müde. Ich habe gesagt: »Genug, ich kann nicht mehr. Ich bleibe, egal was passiert.« Das war im Juli 2015. Ich bin wirklich dankbar, dass ich in Österreich geblieben bin.
Am Anfang habe ich in einem Caritas-Heim in Wien gelebt. 2019 sind meine Eltern nach Österreich gekommen. Weil mein Vater nicht in der Stadt leben wollte, sind wir gemeinsam nach Vorarlberg gezogen. Nach zwei Jahren bin ich nach Wien zurückgekehrt.
Zu der Zeit, als ich nach Österreich gekommen bin, gab es viele Leute, die Flüchtlingen geholfen haben. Ich habe sofort Deutsch gelernt, konnte in die Schule gehen. Für mich war es nicht so schwer, anzukommen.
Im September 2015 haben uns Alois und Karina eingeladen, gemeinsam Fußball zu spielen. Das war der Startschuss von Kicken ohne Grenzen. 2017 war ich mit dem Verein in Berlin. Das war wirklich schön. Wir haben jeden Tag etwas unternommen. Wir hatten Spaß. Als ich 2020 von Vorarlberg zurück nach Wien gekommen bin, bin ich auch zu Kicken ohne Grenzen zurückgekehrt. Ich habe hier viele Menschen aus anderen Ländern und anderen Kulturen kennengelernt und neue Freunde gefunden.
Vor Kurzem habe ich die österreichische Staatsbürgerschaft beantragt. Hoffentlich bekomme ich eine positive Antwort. Ich würde gerne Österreicher werden. Niemals wieder will ich zurück nach Syrien. In Österreich habe ich die Sprache gelernt, eine Ausbildung gemacht, ich habe einen Job, eine Wohnung, eine Freundin, Freunde und meine Eltern sind da. Es gefällt mir hier. Ich bin zufrieden.


Fotos: Karo Pernegger
Interviews: Birgit Riezinger
Diese Geschichten wurden im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums von Breaking Grounds protokolliert.