Mahdi (26) kommt aus Afghanistan. Er
ist im Iran und in Pakistan aufgewachsen und 2014 nach Österreich gekommen. Mahdi arbeitet bei Breaking Grounds unter anderem bei den Projekten Kicken ohne Grenzen und Life Goals mit. Sein Lebens- weg in drei Worten: »Lernen, Lachen, Wachsen«.
Geburtsort
Isfahan, Iran
Ausbildung/Beruf
→ Matura, HTL für chemische Industrie
→ Trainer und Workshop-Leiter bei Kicken ohne Grenzen und Life Goals
Wäre ich 2014 nicht nach Österreich gekommen, wäre
ich jetzt wahrscheinlich im Iran. Ich hätte versucht zu studieren, was dort für Geflüchtete echt schwierig ist. Als Afghane wird man im Iran stark benachteiligt.
Bis zur Volksschule habe ich nicht über Herkunft nach- gedacht. Erst in der Mittelschule habe ich angefangen, zu verstehen, was es bedeutet, Ausländer zu sein. Man wird beschimpft, nur weil man Afghane ist. Zum Glück sind wir umgezogen. Zunächst nach Pakistan – das war auch eine harte Zeit. Aber am Ende hat es sich gelohnt, als wir nach Österreich gekommen sind.
Am Anfang war es schwer, alles war neu. Ich hatte das Glück, dass ich den Verein Prosa kennengelernt habe, der mich extrem unterstützt hat. Wenn man die richtigen Leute kennenlernt, ist es einfach, sich zu integrieren.
Integration ist wie Klatschen – man braucht beide Hände, damit es funktioniert. Man muss mit beiden Händen aufeinander zugehen. Sowohl der Einheimische, als auch der Zugewanderte sollten versuchen, sich miteinander auszutauschen und einander zu helfen.

Integration ist, wenn Menschen einander sehen, wenn sie die Unterschiede akzeptieren. Ich habe keinen Einfluss darauf, aus welchem Land ich komme, welche Eltern ich habe oder wie ich aussehe. Aber ich habe Einfluss darauf, wie ich mich benehme, was ich tue, wie ich mit anderen umgehe. Danach sollte man beurteilt werden, das finde ich fair.
Österreich ist mein zweites Heimatland. Hier fühle
ich mich sicher. Ich möchte unbedingt österreichischer Staatsbürger werden. Ich freue mich darauf, wählen zu dürfen. Politik hat großen Einfluss auf unser Alltagsleben.
Zu Kicken ohne Grenzen bin ich 2019 gekommen. Damals war die Organisation noch sehr klein. Jetzt sind wir auch in Vorarlberg, Oberösterreich und Steiermark. Damit erreichen wir mehr Jugendliche und unsere Angebote sind viel umfangreicher. Seit zwei Jahren bin ich bei Kicken ohne Grenzen angestellt. Ich bin Coach bei zwei Teams und Projektmitarbeiter bei Life Goals, wo wir Workshops an Schulen machen. Ich bin in der Task-Force »Gender, Diversity und Antirassismus« und arbeite beim Thema Kinderschutz mit.
Bei Life Goals unterstützen und begleiten wir Kinder und Jugendliche dabei, selbstständiger und mutiger werden, damit sie ihre Ziele verfolgen können. Wenn ich die Kinder und Jugendlichen in der Klasse oder auf dem Fußballfeld lachen sehe, dann ist es ein guter Tag. Dann haben wir etwas geschafft.
Mich selbst hat die Unterstützung und Begleitung über viele Jahre hinweg motiviert und davon überzeugt, dass das wirklich Sinn hat. Kicken ohne Grenzen hat mich sehr verändert. Ich habe gelernt, mutig zu sein. Ich sehe Fehler jetzt ganz anders. In der Schule wird man nach Fehlern beurteilt. Es hat mich sehr beeindruckt, dass man nicht lernen kann, ohne Fehler zu machen. Diese Fehlerakzeptanz wünsche ich mir auch für das Bildungssystem.
Für mich ist es wichtig, stetig zu lernen. Man lernt nie aus – das ist gut so. Und man sollte dabei Spaß haben. Ich reise gerne. Beim Reisen wächst man als Mensch und als Seele, man lernt unterschiedliche Kulturen und Menschen kennen. Ich glaube, Reisen kann Vorurteile reduzieren – weil man sieht, dass wir nicht so unterschiedlich sind. Ich will so viel wie möglich erleben und über andere Kulturen lernen.
Beruflich möchte ich weiter mit Menschen arbeiten. Mein langfristiges Ziel ist es, etwas aufzubauen, das Menschen hilft und das bleibt, auch wenn ich nicht mehr da bin.


Fotos: Karo Pernegger
Interviews: Birgit Riezinger
Diese Geschichten wurden im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums von Breaking Grounds protokolliert.