Khadija (27) interessiert sich für Malerei, Musik und Essen. In Österreich isst sie gerne Langos und Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Ihr Freund lebt in Berlin. Ihrem früheren Ich würde Khadija gerne sagen: »Bleib stark, gib nicht auf!«
Geburtsort
Ghazni / Afghanistan
Ausbildung / Beruf
→ Augenoptikerin
Als Kind war ich widerständig. Vielleicht hätte ich das später aufgegeben. Im Iran war es normal, früh zu heiraten, Kinder zu bekommen und zu Hause zu bleiben. Das wollte ich nicht. Deshalb habe ich selbstständig als Friseurin gearbeitet. Mädchen haben dort ab einem Alter von zwölf Jahren geheiratet. Man hat gesagt: »Wenn ein Mädchen 20 wird und noch nicht verheiratet ist, soll man für es weinen.« Man macht sich Sorgen, dass Männer sie dann nicht mehr wollen.
Ich wurde in Afghanistan geboren, aber bin im Iran aufgewachsen. Wir haben dort nichts bekommen. Jede Sekunde hätte jemand meinen Friseursalon zusperren können. Mein Bruder wurde zweimal festgenommen. Im Oktober 2015 bin ich mit ihm und seiner Familie nach Österreich gekommen.
Drei Jahre lang habe ich auf den Asylbescheid gewartet. Das war schwierig, weil ich nicht wusste, wo ich hingehöre
und ob ich bleiben darf. Es war wie ein Leben in einer Seifenblase. Ich bin in die Schule gegangen, habe begonnen, mir ein neues Leben aufzubauen, mit allem, was dazugehört.

Ich durfte nicht reisen und nicht arbeiten. Als ich den Asylbescheid bekommen habe, konnte ich mit der Lehre beginnen. Ich arbeite als Augenoptikerin bei Pearle.
Ich wollte nicht mehr als Friseurin arbeiten, weil ich körperlich nicht mehr so fit war. Ich habe in mehrere Berufsfelder hineingeschnuppert: Fotografie, Mode, Zahnarztassistentin. Aber als ich das Praktikum beim Optiker gemacht habe, dachte ich mir: Das ist das Richtige für mich. Ich habe mit Kunden zu tun und arbeite in der Werkstatt. Das gefällt mir. Und ich habe die Möglichkeit, mich weiterzubilden.
In zehn Jahren möchte ich gerne beruflich unabhängig sein. Egal ob ich ein kleines Restaurant habe, ein Café oder ein Optik-Geschäft: Hauptsache, ich kann wieder selbstständig für mich arbeiten.
2016 bin ich zu Kicken ohne Grenzen gekommen. Ich war damals in einer WG für Jugendliche im neunten Bezirk. Die Betreuerinnen haben uns von dem Verein erzählt. Ich habe es mir angeschaut und war sofort begeistert.
Ich hatte immer das Klischee im Kopf, dass Fußball Männersache sei. Ich habe mich nicht besonders für Fußball interessiert. Aber dann hat es mir sehr gefallen. Am Anfang waren die Burschen skeptisch, ob Frauen Fußball spielen können. Jetzt haben sie es akzeptiert.
Kicken ohne Grenzen ist nicht nur ein Fußballverein – man hat hier Freunde, fühlt sich sicher, bekommt Motivation. Man kann auch hingehen, wenn man sich
schlecht fühlt. Jedes Mal, wenn ich dort bin, kann ich auftanken.
An das Turnier in Kopenhagen habe ich besonders gute Erinnerungen. Ich war davor auch bei einem Turnier in Polen, da wurde so hart gekämpft ... Die anderen Teams waren körperlich so stark, man ist ständig auf dem Boden gelandet. In Kopenhagen war es ganz anders. Da ging es nicht nur um den Sieg. Es war eine andere Energie. Es gab nur Frauenteams. Männer nehmen immer alles so ernst, Frauen wollen Freude. Es war wirklich cool. Alle haben sich extrem gefreut, es gab Musik, wir haben getanzt. Das ist eine schöne Erinnerung.
Mein Traum ist es, einmal um die Welt zu reisen und auf einer abgelegenen Insel zu leben. Menschen reden immer darüber, dass es woanders besser sein soll. Das möchte ich mit meinen eigenen Augen sehen. Ich will verschiedene Kulturen und Menschen kennenlernen. Dann will ich entscheiden, wo ich zur Ruhe kommen möchte. Ich weiß nicht, wie realistisch dieser Traum ist. Vielleicht mache ich es wirklich. Wer weiß? Als Kind wusste ich auch nicht, dass ich irgendwann hier sein würde.


Fotos: Karo Pernegger
Interviews: Birgit Riezinger
Diese Geschichten wurden im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums von Breaking Grounds protokolliert.