Amir (21) ist syrischer Staatsbürger, aber in Kuwait geboren und aufgewachsen. In Österreich schätzt er die Sicherheit – und Faschierte Laibchen mit Kartoffelpüree. »Sozial, positiv und Leader«, diese drei Worte beschreiben Amir aus seiner Sicht am besten.
Geburtsort
Farwaniya / Kuwait
Ausbildung / Beruf
→ Lehre zum Personaldienstleistungskaufmann / AMS Wien
Ich heiße Amir, bin in Kuwait geboren und aufgewachsen. Ich bin syrischer Staatsbürger, habe aber nur zwei Jahre in Syrien gelebt. 2015 bin ich mit meinen Eltern nach Österreich gekommen, da war ich elf. Wir hatten die Aufenthaltsgenehmigung, aber 2018 wollten meine Eltern wieder zurück. Ich war damit überhaupt nicht glücklich.
Drei Jahre später, mit 17, bin ich alleine nach Österreich gekommen. Ich habe damals die Schule abgebrochen. In Syrien hätte ich zum Militär gemusst, das wollte
ich nicht. Dann habe ich mich erinnert, dass ich noch einen gültigen Asyl-Reisepass habe, und bin geflogen. Zunächst wurde ich ins Erstaufnahmezentrum nach Traiskirchen geschickt, nach zwei Monaten kam ich ins Flüchtlingsheim nach Korneuburg.
In den Flüchtlingsheimen war es richtig schlimm, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Wir haben nicht viel Geld bekommen. Für 1,50 Euro in der Stunde haben wir geputzt, damit wir uns Essen kaufen konnten. Das Essen dort war wirklich ekelhaft. Später habe ich bei meinem Onkel gewohnt. Nach 20 Monaten habe ich meinen Aufenthaltsbescheid bekommen.

Von 2015 bis 2018 habe ich in Leonding gelebt und bin dort in die Mittelschule gegangen. Ich habe mich wohl gefühlt in Österreich: einfach zur Schule zu gehen, ohne Angst zu haben, dass irgendetwas passiert. Mit Freunden bis spätabends draußen zu sein – das war kein Problem. Es war so sicher und immer lustig. Das war eine schöne Zeit. Ich habe noch viele Freunde in Leonding und besuche sie regelmäßig.
Jetzt lebe ich in Wien in einer WG. Ich bin schon oft umgezogen. Vergangenes Jahr sind meine Eltern im Rahmen der Familienzusammenführung nach Österreich gekommen. Doch als am 8. Dezember Syrien befreit wurde, hat man am nächsten Tag ihren Asylantrag pausiert. Sie bekamen kein Sozialgeld mehr, waren nicht krankenversichert. Dann sind sie zurück nach Syrien gegangen. Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Familie.
Zu Kicken ohne Grenzen bin ich durch Abdullah gekommen, den ich in Korneuburg kennengelernt habe. Durch ihn bin ich drauf gekommen, dass man Fußball spielen kann, um einfach Spaß zu haben.
Zu jedem, der neu zum Verein kommt, sage ich: »Schau dir das an, du wirst sicher Spaß haben und etwas mitneh- men, das dir im Leben weiterhilft.«Zu jedem, der neu zum Verein kommt, sage ich: »Schau dir das an, du wirst sicher Spaß haben und etwas mitneh- men, das dir im Leben weiterhilft.«
2024 habe ich meinen Pflichtschul-abschluss gemacht. Dann bin ich zumVerein lobby.16 gekommen. Dort wirdeinem geholfen, eine Ausbildung zu finden.Während der Lehrstellensuche hat man Unterricht in Mathematik, Deutsch und Englisch. Im ersten Monat gab es einen Workshop, bei dem AMS-Mitarbeiter von der Lehre zum Personaldienstleistungskaufmann erzählt haben. Das hat mir gefallen. Circa 300 Leute habensich um die Lehrstelle beworben. Am Ende wurden zwei ausgewählt, ich war einer davon. Im September geht es los. Ich bin richtig motiviert, am liebsten möchte ich jetzt schon arbeiten.
In Zukunft will ich auf jeden Fall eine Wohnung haben, in der ich bleiben kann. In zehn Jahren möchte ich verheiratet sein, Kinder haben und glücklich sein. Ich will Seelenfrieden und keine Sorgen haben. Ich hoffe, dass ich beruflich selbstständig bin. Ich möchte sagen können: »Ich hab’s geschafft.«
In den letzten zehn Jahren ist unnormal viel passiert. Vor zehn Jahren war ich ein kleines Kind und habe auf der Straße gespielt. Jetzt bin ich in Wien und mache bald eine Ausbildung. Ich habe mich selbst kennengelernt und viele Fähigkeiten erworben. Ich kann Verantwortung tragen und bin viel selbstbewusster. Ich bin stolz auf mich. Ich weiß, dass es noch viel zu lernen gibt. Und das werde ich tun.


Fotos: Karo Pernegger
Interviews: Birgit Riezinger
Diese Geschichten wurden im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums von Breaking Grounds protokolliert.