Afzal (26) ist als 17-Jähriger von Afghanistan nach Österreich gekommen und hat schon viele berufliche Stationen hinter sich. Afzal lernt gerne Neues, liebt Kinder, den Kontakt mit Menschen und französische und spanische Popmusik.
Geburtsort
Logar / Afghanistan
Ausbildung / Beruf
→ Fachexperte für SAP / Porr
→ Studium der Angewandten Elektronik und Technischen Informatik an der Fachhochschule Wien
Wäre ich 2016 nicht nach Österreich gekommen, wäre ich wahrscheinlich noch in Afghanistan. Durch die Flucht nach Europa habe ich mir ein besseres Leben aufbauen können. An Österreich schätze ich die Chancengleichheit für Männer und Frauen, egal ob im Job oder in der Freizeit.
Seit 2022 studiere ich Angewandte Elektronik und Technische Informatik an der Fachhochschule Wien. Danach kann ich entweder als Elektrotechniker oder als Programmierer arbeiten. Davor habe ich zwei Jahre auf der Technischen Universität Maschinenbau studiert. Zeitlich und vom Stoff her war das zu viel für mich. In der FH geht es mir besser. Ich habe noch ein Jahr vor mir, wenn alles gut läuft.
Neben dem Studium arbeite ich bei Porr Vollzeit als Fachexperte für SAP. Ich unterstütze Kollegen, wenn sie Probleme mit dem Programm haben. Wir haben ein super Team. Ich fühle mich wirklich wohl.
Ich habe schon einige berufliche Stationen hinter mir. Überall habe ich etwas gelernt. Begonnen habe ich in der
Küche und im Service.

Da lernt man den Umgang mit Kunden, aber auch wie man selbstständiger wird. Ich war Teppichverkäufer. Dann habe ich dreieinhalb Jahre lang in einem Pfandhaus gearbeitet, wo wir elektronische Geräte ge- und verkauft haben. Da habe ich vor allem gelernt, wie man mit Stress umgeht. Ein Jahr lang war ich als Werkstudent im Einkauf bei Knorr-Bremse. Jetzt im Büro brauche ich vor allem Teamfähigkeit. Ich bin jobmäßig immer weitergekommen. Mal sehen, wie es weiterläuft.
Wegen des Vollzeitjobs und des Studiums verzichte ich privat auf vieles. Ich arbeite bis 16 oder 16:30 Uhr. Danach bin ich bis 21 Uhr in der FH. Arbeiten, studieren, schlafen – viel mehr geht sich nicht aus.
Integration bedeutet für mich nicht, alles ad acta zu legen, was man aus seiner Heimat mitnimmt. Zum Beispiel trinke ich keinen Alkohol. Trotzdem kann ich mit Leuten, die trinken, Spaß haben. Andererseits gebe ich in Österreich natürlich auch Frauen zur Begrüßung die Hand. In Afghanistan machen Männer das nicht. Lernen, wie man mit kulturellen Unterschieden umgeht – das ist für mich Integration.
Mir ist es nicht schwergefallen, mit Menschen in Österreich in Kontakt zu kommen. Kicken ohne Grenzen hat mir dabei geholfen. 2017 bin ich zu Kicken ohne Grenzen gekommen. Das war für mich von Anfang an sehr wichtig. Man kann hier gut die Sprache lernen. Wir hatten immer wieder Ausflüge und auch Matches mit Österreichern. Durch Fußball kommt man leicht ins Gespräch.
Vor ein paar Jahren habe ich gemeinsam mit anderen den Integrations- und Wohltätigkeitsverein Marefat gegründet. Wir geben private Nachhilfe und helfen beim Ausfüllen von Formularen und beim Stellen von Anträgen. Etwa 60 Leute, die meisten aus Afghanistan, waren schon mindestens einmal bei uns. Ich gebe dort Nachhilfe in Mathematik, Deutsch für Anfänger und Dari / Farsi für Afghanen, die hier aufwachsen. Wir dürfen ein Büro eines anderen Vereins mitnutzen. Leider bekommen wir keine öffentliche Unterstützung.
Ich wohne mit meiner Frau zusammen. Wir sind noch nicht offiziell verheiratet, weil mir Dokumente aus Afghanistan fehlen. Meine Familie lebt in Afghanistan. Es geht ihnen so weit gut. Ich unterstütze sie finanziell. Mein Vater arbeitet, aber die Lage in Afghanistan ist allgemein nicht sehr gut.
Zu meinem Chef sage ich im Spaß, dass ich mich in zehn Jahren an seinem Platz sehe. Ich versuche auf jeden Fall, eine bessere Position zu bekommen. Ich hätte gerne eine Führungsposition, in der ich die Freiheit habe, meine Ideen zu verwirklichen. Und ich will verheiratet sein und Kinder haben.


Fotos: Karo Pernegger
Interviews: Birgit Riezinger
Diese Geschichten wurden im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums von Breaking Grounds protokolliert.